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Ortsfamilienbuch Hesepe

Der Ortsname

Der Ortsname Hesepe findet sich in den verschiedensten Schreibweisen in den Urkunden und Schriftstücken wieder: hasba, hasapa, hespe, häspe. Alle Varianten gehen zurück auf die ursprüngliche und älteste Form hes-epe: die Grundsilbe „epe“ (auch „apa“) bedeutet „kleiner Wasserlauf“ oder „Bach“, die Vorsilbe „has“ oder „häs“ steht für die Farbe des Hasen, also graubraun. „Hesepe“ bezeichnet demnach einen „graubraunen Bach“ und kann auch als „Moor-Wasser“ (oder plattdeutsch “Moor-Beke“) verstanden werden. Die Wörter „hes“ und „epe“ stammen aus dem indogermanischen Wortschatz und lassen vermuten, dass die Bezeichnung „Hesepe“ zu den ältesten Ortsnamen in der Region Emsland/Grafschaft Bentheim zählt (das gleiche gilt auch für Hesepe bei Nordhorn).

Lage

Klein und Groß Hesepe lagen, wie z.B. auch Fullen, Rühle, Dalum, Lohne und Wietmarschen, an dem alten linksemsischen Heer- und Handelsweg, der, von Westfalen über Bentheim kommend, zwischen der Ems und dem Bourtanger Moor bis zur Nordsee nach Emden führte (und der in Teilen der heutigen Meppener Straße entspricht). Über diesen Heerweg wanderten auch die Missionare, die nach Gründung des Missionsmittelpunktes in Meppen um 780 n. Chr. mit der Christianisierung der vormals heidnischen Dörfer des Emslandes begannen. 834 n. Chr. übertrug Kaiser Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen, die Missionszelle Meppen samt den dazugehörigen Dörfern dem Kloster Corvey an der Weser, in der Nähe des heutigen Höxter.

Politische und kirchliche Geschichte

Die erste urkundliche Überlieferung Hesepe betreffend findet sich in kirchlichen Urkunden aus dem Jahr 1000. So erscheinen im Heberegister des erwähnten Klosters Corvey abgabepflichtige Höfe in ‚Hasba, Dalamum und Wachendorphe’. Um 1190 wird die Errichtung einer dem Patron der Fluss- und Seefahrer, St. Nikolaus, geweihten Kirche in Hesepe, direkt am Ufer der Ems, erwähnt, die zwischen 1150 und 1190 durch die Edelherren von Hesepe als Eigenkirche gegründet und vor 1365 von der St. Vitus-Kirche, Meppen, abgepfarrt wurde. Residenz dieser Edelleute waren der Warlingshof („der Hof des Warling“) und die zugehörige Huckeburg („die Burg des Hucko/Hugo“). Zu dieser Zeit war Hesepe bereits der Sitz eines alten Freistuhles, d.h. eines Gerichtes, an dem die Edlen von Hesepe als Stuhlfreie amtierten. Mit der ab 1350 einsetzenden Tendenz zur Auflösung solcher Haupt- und Adelshöfe konnten auch in Hesepe die Dorfbewohner das Land fortan als eigenen Acker bestellen.

Eine frühe, explizite Nennung des Ortes (Klein) Hesepe findet sich in alten Schriften des Klosters Wietmarschen. Dieses erwarb 1221 „von Dythard van Landegghe für 10 Mark Hulstermanns halbes Erbe in der Mark und Bauerschaft Klein Hesepe“. Eine weitere Erwähnung betrifft das 14. Jahrhundert: „Der Stadtrat von Meppen kaufte 1488 von der Äbtissin zu Marienrode (Wietmarschen) die hörigen Leute Johann Over zu Overhus und Schwenne Hülster zu Kleinhesepe und besetzte mit diesen den noch übrigen Teil des Klostergutes.“

Die kirchliche Zugehörigkeit Hesepes unterschied sich lange Zeit von der politischen. Seit der Mission (ab 780) bis 1667 war das Emsland ein Teil der Diözese Osnabrück, von 1667 bis 1824 unterstand es der Diözese Münster, seit 1824 gehört es wieder zu Osnabrück. In der politischen Verwaltung gelangte Hesepe im Jahre 1252 als Teil des Amtes Meppen durch Ankauf an das Niederstift Münster, welchem es bis zur Auflösung der geistlichen Fürstbistümer im Jahr 1803 angehörte. Das Amt Meppen gelangte an den Herzog von Arenberg. 1814 nahm Georg III., König von Hannover und England, das Amt mit allen zugehörigen Dörfern in seinen Besitz, beließ aber die standesherrlichen Rechte wie Schulaufsicht und Polizeiverwaltung bei den Herzögen von Arenberg. 1866 annektierte die neue Großmacht Preußen das Königreich Hannover und machte somit die hannoverschen Emsländer wider Willen zu Bewohnern des Landes Preußen und 1871 des neu gegründeten Deutschen Reiches. Im Rahmen der preußischen Kreisreform erfolgte schließlich die Gründung des Kreises Meppen in der neuen Provinz Hannover. Nach dem politischen Neubeginn 1945, in der das Emsland zunächst zur britischen Zone gehörte, wurde auch eine neue Verwaltungsstruktur mit selbstverwalteten Kommunen etabliert, aus denen sich später die heutigen Gemeinden formten.

Zu diesem Kirchspiel gehörten neben Klein und Groß Hesepe auch die 1784 neu gegründeten Kolonien Heseper Twist und Rühler Twist (bis 1820), die Gemeinden Schwartenpohl (bis 1912), Dalum (bis 1936) und Wachendorf (bis 1948). Um 1800 stand Hesepe als blühendes Kirchspiel mit bescheidenem Wohlstand dar, die Bevölkerungszahl stieg hingegen nur langsam an. Der Kirchspielverband Hesepe vereinte die Funktionen der Pfarrgemeinde und der politischen Gemeinde zu dieser Zeit noch weitgehend in sich. Im 19. Jahrhundert wurden schließlich die politisch eigenständigen Gemeinden Klein Hesepe und Groß Hesepe geschaffen. Trotz dieser Selbständigkeit blieben viele öffentliche Einrichtungen gleichermaßen für alle Heseper zuständig, so u.a. die Kirche und zugehörige Organisationen („Katholische Frauen und Mütter“, seit 1916 (heute: kfd); Kirchenchor, Theatergruppe, KLJB usw.), die Schulen (seit 1830/1840), die Post (seit 1883), der Sportverein (seit 1923), die Feuerwehr (seit 1936), das Standesamt, das Schiedsmannamt und die Polizeistation.

In dieser Datenbank sind 1218 Personen enthalten! Der Datenbestand enthält sicherlich noch einige Fehler, die aber sukzessive behoben werden.

Bemerkungen / Quellen:

Im Jahre 1968 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinden Groß und Klein Hesepe zur Gemeinde Groß Hesepe, 1971 der Zusammenschluss der Gemeinden Dalum, Geeste und Osterbrock zur Gemeinde Geeste. 1974 gliederten sich schließlich auch die Gemeinden Bramhar, Groß Hesepe und Varloh in die Einheitsgemeinde Geeste ein.

Das für Hesepe zuständige Standesamt ist heute:
Standesamt der Gemeinde Geeste
Am Rathaus 3
49744 Geeste
Tel.: (05937) 69-254

Dort lagern folgende Personenstandsunterlagen:

  • Geeste ab 1874
  • Dalum 1874 - 1971
  • Groß Hesepe 1874 - 1974

Folgende Quellen stehen zur Verfügung:

  • Kirchenbücher des r.-k. Kirchspieles Hesepe:
    • Taufen ab 1612 (mit Lücken bis 1727) bis 1875
    • Heiraten ab 1612 (mit Lücken bis 1727) bis 1875
    • Sterbefälle ab 1612 (mit Lücken bis 1727) bis 1875
  • Abschrift der im Original nicht mehr vorhandenen Kirchenbücher der Jahre 1647-1728
    (abgeschrieben durch Dr. R. Cloppenburg, Meppen)
  • Norbert Tandecki und Reinhard Cloppenburg:
    Status Animarum 1749 in den Gerichten Meppen, Haren und Haselünne.
    Beiträge zur Emsländischen und Bentheimer Familienforschung, Band 3, Teilband 1. Sögel 1995.
    Darin: Status Animarum Kirchspiel Hesepe, S. 66-98.

Bisher erfaßt (und teilweise genealogisch verknüpft) sind folgende Quellen:

  • Kirchenbücher des r.-k. Kirchspieles Hesepe:
    • Taufen 1815 bis 1875
    • Heiraten 1815 bis 1875
    • Sterbefälle 1815 bis 1875
  • Abschrift der im Original nicht mehr vorhandenen Kirchenbücher der Jahre 1647-1728
    (abgeschrieben durch Dr. R. Cloppenburg, Meppen)
Literaturhinweise:
  • Franz Bölsker-Schlicht: „Die Kirchspiele Meppen, Hesepe, Bokeloh, Wesuwe und Haren - ein historischer Streifzug“. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, Band 38 (1992), S. 146-175.
  • Hermann Pranger (Bearb.): „St.-Nikolaus-Kirche Groß Hesepe. Aus d. Vergangenheit Hasba - Hesepe. (800 Jahre). Eine Festschrift. (1989)“
  • H. H. Gels: '“350 Jahre Schützenwesen in Groß Hesepe (1999)“


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Fragen zu den Daten, Ergänzungen und Korrekturen bitte an den Bearbeiter dieses Ortsfamilienbuches:
Martin Koers