|
Ortsfamilienbuch ReicholzheimReicholzheim ist ein Ort im Taubertal, kurz bevor die Tauber bei Wertheim in den Main mündet. Es liegt 30 Kilometer westlich von Würzburg. Reicholzheim gehört heute auch als Ortsteil zur Stadt Wertheim, eine der schönsten Städte am Main - und der Main ist reich an schönen mittelalterlichen Städten. Dabei gab es viele Jahrhunderte lang große Unterschiede zwischen dem evangelischen Wertheim und dem fünf Kilometer entfernten katholischen Reicholzheim. Wertheim war Hauptstadt der kleinen, wohlgeordneten Grafschaft Wertheim-Löwenstein, während Reicholzheim der Hauptort eines winzigen Zwergstaats war – der alten Zisterzienserabtei Bronnbach. Deren Gebäude stehen heute noch, kaum verändert, drei Kilometer südlich von Reicholzheim an der Tauber, und bilden eine prachtvolle historische Anlage. Die hügelige Landschaft zwischen Bauland, Odenwald und Main bietet phantastische Ausblicke, und der Wein von Reicholzheim ist noch immer berühmt, ebenso wie der rote Sandstein, der lange dort geschlagen wurde. Viele Menschen sind erstaunt zu erfahren, dass der schmale Zipfel hier am Main weder bayrisch noch hessisch ist, sondern badisch – obwohl er von Landschaft und Dialekt zu Franken gehört.
Bemerkungen / Quellen:
Für das OFB benutzte Quellen
Hauptquelle des Ortsfamilienbuchs ist das Kirchliche Familienregister Reicholzheim, eigentlich mit genauem Titel „Ausführlicher Seelenstand der Pfarrei Reicholzheim“, das 1804 vom Reicholzheimer Pfarrer Bernhard Schierstein begonnen wurde. Hierzu einige Erläuterungen: Die frühesten Kirchenbücher von Reicholzheim müssen verloren gegangen sein. Sie müssen bereits in evangelischer Zeit, also vor 1673, unter der Herrschaft der Grafen von Wertheim, geführt worden sein. Seit der Rekatholisierung Reicholzheims im Jahr 1673 liegen jedenfalls genaue Kirchenbücher vor, die Pfarrer Schierstein 1804 in mühevoller Kleinarbeit durchgesehen hat, um sein Familienregister zu erstellen. Solche Familienregister sind ein Glücksfall für die Ahnenforschung, und es gibt sie nicht überall. Sie waren allerdings ab dem späten 18. Jahrhundert in Mode gekommen – besonders in katholischen Gemeinden – auch um einen besseren Überblick über (nach katholischem Recht illegitime) Cousinenehen zu erhalten. Bei Ehen von Cousin und Cousine war es möglich, einen kostenpflichtigen Dispens (Sondererlaubnis) zu erhalten, besonders wenn die Verwandtschaft nicht zu eng war. Die Familienregister sollten die Grundlage für die bischöflichen Entscheidungen bilden, und die Dispense waren auch eine gute Einnahmequelle. Daß allerdings alle alten Kirchenbücher so genau durchgesehen wurden, war keineswegs selbstverständlich. Pfarrer Schierstein nahm es hier mit seiner Pflicht sehr genau, und schrieb mit seiner akribischen, exakten Schrift alle erhaltenen Daten aus den Reicholzheimer Kirchenbüchern seit 1673 ab – fast immer fehlerfrei – erkundigte sich bei seinen Pfarrkindern, wenn etwas unklar war, und nahm auch die Pfarrbücher anderer Gemeinden zu Hilfe – besonders die der Klostergemeinde Bronnbach. Diese Arbeit, abends bei Kerzenschein durchgeführt, kostete den Pfarrer, als er sie endlich bewältigt hatte, für vier Wochen das Augenlicht, wie er im Vorwort zum Seelenregister bemerkt. Zwei dicke, in dunkles Leder gebundene Folianten waren schließlich fertig, säuberlich mit dünn gezogenen Linien versehen. Der Pfarrer bat seine Nachfolger im Vorwort inständig, seine Arbeit gewissenhaft fortzuführen. Dies geschah im Großen und Ganzen auch bis in die Jahre des Zweiten Weltkriegs, allerdings nicht immer so fein ordentlich wie beim Begründer des Familienregisters. Viele nachfolgende Pfarrer hatten keine so sorgfältige Handschrift wie Schierstein, und wenige gaben mit so viel Akkuratesse Vornamen, Beruf und Herkunftsort an wie er. Zur Benutzung des OFB
Michael Masters, 20. Juni 2009 |
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||