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Ortsfamilienbuch Gröbnig
Ortsfamilienbuch Gröbnig / Grobniki
Gröbnig, Schönbrunn und Neustift
Grobniki · Debrzyca · Nowosady
Familiengeschichte aus einem alten Johannitergebiet im Kreis Leobschütz: von mittelalterlichen Urkunden der Kommende Gröbnig bis zu Kirchenbüchern, zivilen Zweitschriften, Standesamtsregistern und Familien des 20. Jahrhunderts. Gröbnig / Grobniki, Schönbrunn / Debrzyca und Neustift / Nowosady sind nicht verschiedene oder miteinander konkurrierende Geschichten, sondern unterschiedliche Namen und Kapitel derselben Orte. Heute gehören Grobniki, Debrzyca und Nowosady selbstverständlich zu Polen und zur Gemeinde Głubczyce. Ihre Geschichte wurde jedoch über viele Jahrhunderte von schlesischen, mährischen, böhmischen, deutschen und polnischen Einflüssen geprägt. Historische deutsche Ortsnamen werden auf dieser Seite verwendet, wenn sie der Sprache und Zeit der jeweiligen Quelle entsprechen; die heutigen amtlichen polnischen Namen werden gleichberechtigt genannt. Dieses Ortsfamilienbuch möchte sowohl Nachkommen früherer Einwohner als auch die heutigen Bewohner der Orte und alle an ihrer Geschichte Interessierten zusammenführen. Hinweise, Korrekturen, Fotos und lokale Überlieferungen aus der heutigen polnischen Gemeinde sind ausdrücklich willkommen. Willkommen beim Ortsfamilienbuch GröbnigDieses Ortsfamilienbuch rekonstruiert die Familien des katholischen Kirchspiels Gröbnig im ehemaligen Kreis Leobschütz. Zum historischen Kirchspiel gehörten auch Schönbrunn und Neustift. Heute heißen die Orte Grobniki, Debrzyca und Nowosady. Nach dem auf der bisherigen OFB-Seite genannten Einwohnerverzeichnis vom Februar 1940 hatte Gröbnig 1.825 Einwohner.
Die Kommende Gröbnig im MittelalterÄltere Darstellungen setzen den Beginn des Johanniterbesitzes in Gröbnig bereits in das späte 12. Jahrhundert. Einige der sehr frühen Überlieferungen sind jedoch quellenkritisch problematisch. Sicher ist, dass Gröbnig spätestens im 13. Jahrhundert als bedeutender Stützpunkt des Johanniterordens im schlesisch-mährischen Grenzraum hervortritt. Besonders wertvoll ist der im Národní archiv in Prag erhaltene Bestand mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Urkunden der Kommende. 1256 — eine Originalurkunde der Gröbniger JohanniterZu den ältesten erhaltenen Originalen gehört die Urkunde Nr. 148 aus dem Jahr 1256. Sie betrifft eine Schenkung des Pardus an das Hospital des hl. Johannes in Gröbnig, darunter Besitz in Dirschel/Dzierżysław. Die erhaltenen Siegel machen dieses Stück zu einem besonders anschaulichen Zeugnis der frühen Kommende.
Urkunde von 1256. Národní archiv, Maltézští rytíři - české velkopřevorství (1085-1875), Nr. 148. Digitalisat: Monasterium.net. 1279 — Gröbnig, Leobschütz und das kirchliche PatronatDie Urkunde Nr. 149 vom 18. Oktober 1279 zeigt die enge Verbindung der Johanniterkommende mit dem kirchlichen Leben des benachbarten Leobschütz. Gröbnig war damit nicht lediglich ein einzelnes Dorf, sondern Mittelpunkt eines regionalen Netzes von Kirchen, Gütern, Patronatsrechten und abhängigen Ortschaften.
Urkunde vom 18. Oktober 1279. Národní archiv, Maltézští rytíři - české velkopřevorství (1085-1875), Nr. 149. Digitalisat: Monasterium.net.
Eine regionale Herrschaft, nicht nur ein einzelnes Dorf.
Zu den Kommendedörfern gehörten in verschiedenen Zeiten unter anderem Gröbnig,
Leisnitz, Schönbrunn, Dittmerau, Babitz, Wernersdorf, Jernau und Leimerwitz.
Die Besitz- und Patronatsrechte der Kommende verbanden damit viele Familien,
die heute in mehreren verschiedenen Ortsfamilienbüchern erscheinen.
Gröbnig und Leobschütz – jahrhundertelang verbunden, in der Reformation im StreitDie Geschichte Gröbnigs ist über viele Jahrhunderte eng mit dem nur wenige Kilometer entfernten Leobschütz / Głubczyce verbunden. Bereits im Mittelalter besaßen die Johanniter der Kommende Gröbnig kirchliche Patronats- und Präsentationsrechte in Leobschütz. Der Orden war damit an der Besetzung und Versorgung der dortigen Pfarrkirche beteiligt. Zeitweise befand sich sogar der Sitz des Komturs in Leobschütz; seit dem frühen 16. Jahrhundert lag er wieder dauerhaft in Gröbnig. Diese ältere Ordnung geriet in den Jahrzehnten der Reformation unter erheblichen Druck. Während sich Leobschütz unter seinem damaligen Landesherrn zunehmend dem Protestantismus zuwandte, blieb die Johanniterkommende Gröbnig eine katholische Institution. Eine lokale historische Darstellung beschreibt die Ursachen der erneut ausbrechenden Auseinandersetzungen ausdrücklich als teils wirtschaftlicher, teils religiöser Art.
Ein langwieriger Rechtsstreit.
Die erhaltenen Akten aus dem 16. Jahrhundert zeigen, wie ernst die Auseinandersetzung
war. Auf der einen Seite standen die Stadt Leobschütz und ihr Landesherr,
Markgraf Georg von Brandenburg; auf der anderen Niklas Zedlitz von Braun,
Komtur zu Gröbnig. Königliche Kommissare, darunter der Bischof von
Breslau und Herzog Karl von Münsterberg und Oels, wurden mit der
„langwierigen Irrung“ befasst. Das Verfahren sah schriftliche Klagen,
Antworten, Gegenreden und feste Fristen vor.
Die Prozessakten selbst formulieren den Konflikt vor allem in der Sprache des Rechts: Patronatsrecht, Bestellung der Kirchendiener, Besitzstand, Privilegien, Abgaben und Zuständigkeiten. Sie sind deshalb nicht einfach als reine „Religionskriegsakten“ zu lesen. Der konfessionelle Gegensatz bildete jedoch einen auffälligen historischen Hintergrund: Eine inzwischen überwiegend protestantische Stadt stand einer katholischen Ordenskommende gegenüber, die sich auf jahrhundertealte Rechte in Leobschütz berief. Dieser Gegensatz dürfte einen bereits bestehenden institutionellen und wirtschaftlichen Konflikt zusätzlich verschärft haben. Auch spätere Akten zeigen, dass das jus patronatus weiterhin ein Streitpunkt blieb. In einer frühneuzeitlichen Beschwerdeschrift berief sich Leobschütz auf einen langen eigenen Besitzstand des Patronatsrechts und erwähnte ausdrücklich frühere Ansprüche der „Commendatores zu Gröbnigk“. Erst die konfessionellen und politischen Veränderungen des späteren 17. Jahrhunderts ließen einen wesentlichen Teil dieser alten Auseinandersetzungen gegenstandslos werden.
Zwei Nachbarorte mit gemeinsamer Geschichte.
Der jahrhundertelange Patronats- und Rechtsstreit macht besonders deutlich, dass
Gröbnig nicht ohne Leobschütz und ein Teil der Leobschützer
Reformationsgeschichte nicht ohne die katholische Johanniterkommende vor den
Toren der Stadt verstanden werden kann.
Siehe auch: Ortsfamilienbuch Leobschütz / Głubczyce Gröbnig als Komtursitz im 16. JahrhundertIm 16. Jahrhundert veränderte die Reformation die kirchlichen Verhältnisse im Leobschützer Land tiefgreifend. Während Leobschütz protestantisch wurde, blieb die Johanniterkommende katholisch. Gröbnig gewann dadurch als Sitz des Komturs erneut besondere Bedeutung. Zu den bekanntesten Gröbniger Komturen gehörte Georg von Proskau. Historische Überlieferungen schreiben ihm den Bau des bis heute erhaltenen Kommendegebäudes im Jahr 1559 zu. Die Kommende verfügte über Patronatsrechte an mehreren Kirchen der Region, darunter Babitz, Leobschütz, Dittmerau, Altzülz und Leisnitz; diese Rechte bestanden teilweise bis zur Säkularisation im Jahr 1810.
Das ehemalige Kommendegebäude in Gröbnig / Grobniki. Aufnahme: Horst Laqua, 2016. 1575 — die Kommendedörfer in einer frühneuzeitlichen UrkundeDie Prager Überlieferung reicht weit über das Mittelalter hinaus. Die Urkunde Nr. 174 aus dem Jahr 1575 gehört zu den besonders interessanten Stücken, weil sie Rechtsverhältnisse von Untertanen mehrerer Kommendedörfer berührt. Damit führt die schriftliche Überlieferung unmittelbar in jene dörfliche Welt, deren Familien später in den Kirchenbüchern namentlich greifbar werden.
Urkunde von 1575. Národní archiv, Maltézští rytíři - české velkopřevorství (1085-1875), Nr. 174, in: Monasterium.net, https://www.monasterium.net/mom/CZ-NA/RM/174/charter, abgerufen am 9. August 2026. Die Menschen in den KommendedörfernEine besonders wertvolle Beschreibung liefert Alois Mochs 1898 veröffentlichte Studie Die socialen Verhältnisse der Malteserkommende Gröbnig zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie schildert nicht nur die Verwaltung der Kommende, sondern auch Bauern, Gärtner, Häusler, Robotdienste, Abgaben, Schulen und kirchliche Verhältnisse. Für das Jahr 1788 nennt Moch beispielsweise 1.028 Einwohner für Gröbnig, 979 für Leisnitz, 518 für Schönbrunn, 446 für Dittmerau, 515 für Babitz, 122 für Wernersdorf, 468 für Jernau und 293 für Leimerwitz. Damit wird aus der abstrakten Herrschaftsstruktur eine große ländliche Gemeinschaft mit mehreren tausend Menschen, deren Familien über Generationen miteinander verbunden waren.
1810–1813: Ende der Ordensherrschaft.
Mit der preußischen Säkularisation endete 1810 die jahrhundertelange Herrschaft
des Ordens. 1813 wurde der ehemalige Malteserbesitz geteilt und als Privatbesitz
weitergeführt. Die Dörfer bestanden fort, doch die alte Kommende als geistliche
Grundherrschaft gehörte der Vergangenheit an.
Schönbrunn / DebrzycaSchönbrunn gehörte über Jahrhunderte eng zur Kommende Gröbnig. Eine lokale Überlieferung nennt 1265 als erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen Schonebrunne. Der Name wird traditionell mit den wasserreichen Quellen des Dorfes verbunden; auch das alte Gemeindesiegel zeigte einen Brunnen mit schwebendem Wassereimer. Kirchlich wurde Schönbrunn lange von Gröbnig aus betreut. Später erhielt der Ort eine eigene Kirche und schließlich eigene Kirchenbücher. Diese eigenständige Überlieferung ist heute ein wichtiger Bestandteil des Ortsfamilienbuches. Neustift / NowosadyNeustift / Nowosady war im Vergleich zu Gröbnig und Schönbrunn eine sehr kleine Ansiedlung. Nach der Überlieferung und den im OFB erfassten Familien scheint der Ort zu vielen Zeiten nur aus wenigen Häusern beziehungsweise wenigen Familien bestanden zu haben. Der Ortsname Nowosady ist auf heutigen Karten noch verzeichnet, doch an der ehemaligen Siedlungsstelle stehen heute keine Gebäude mehr. Damit ist Neustift ein besonders anschauliches Beispiel dafür, warum genealogische Quellen, historische Karten und Ortsfamilienbücher auch die Erinnerung an sehr kleine oder heute verschwundene Siedlungen bewahren können. Kirche, Friedhof und fortlebende OrtsgeschichteDie katholische Pfarrkirche und der sie umgebende Friedhof bilden noch heute einen sichtbaren Mittelpunkt von Grobniki. Die erhaltenen Gebäude verbinden die mittelalterliche und frühneuzeitliche Überlieferung mit dem heutigen Ort und seiner polnischen Gemeinde.
Pfarrkirche und Friedhof in Gröbnig / Grobniki. Aufnahme: Horst Laqua, 2016.
Kreuzigungsgruppe am Friedhof in Gröbnig / Grobniki. Aufnahme: Horst Laqua, 2016. Was ist im Ortsfamilienbuch erfasst?
Quellen des OrtsfamilienbuchesDie Familienrekonstruktion beruht auf mehreren sich ergänzenden Überlieferungsreihen. Gerade weil einzelne Jahrgänge fehlen, ist die Verbindung von Kirchenbüchern, Zweitschriften und späteren Standesamtsregistern besonders wichtig.
Hinweis zu den Lücken: Die genannten Zeiträume bezeichnen den Gesamtumfang der ausgewerteten Überlieferung. Innerhalb dieser Zeiträume fehlen bei Trauungen und Sterbefällen mehrere Jahrgänge oder Teilserien. Wo keine Quelle erhalten ist, kann auch das OFB keine vollständige Rekonstruktion bieten. Durch die Kombination verschiedener Archive und Überlieferungsformen konnten jedoch viele Familien über wesentlich längere Zeiträume miteinander verbunden werden, als dies mit einer einzelnen Kirchenbuchserie möglich wäre. Ein gemeinschaftliches und fortlaufendes ProjektDieses Ortsfamilienbuch ist trotz des bereits großen Umfangs nicht abgeschlossen. Neue Archivalien, Familienunterlagen und Hinweise können bestehende Familien ergänzen, bisher unbekannte Verbindungen herstellen und Fehler berichtigen. Allen bisherigen Mitwirkenden gilt mein herzlicher Dank. Besonders wertvoll sind Beiträge von Familienforschern und Nachkommen früherer Einwohner ebenso wie Hinweise und Materialien von heutigen Bewohnern aus Grobniki, Debrzyca, Nowosady und der Umgebung. Historische Dokumente, Familienfotos, Sterbebilder, Grabsteinaufnahmen, Ortsaufnahmen, Korrekturen, Quellenhinweise und Familienzusammenhänge sind jederzeit willkommen. Ich hoffe, dass dieses OFB auch künftig ein gemeinsames Projekt bleibt und Menschen verbindet, die sich — aus ganz unterschiedlichen persönlichen, familiären oder lokalen Gründen — für die Geschichte dieser Orte interessieren. Ausgewählte historische Literatur und Quellen
Direkte Links zu den drei gezeigten UrkundenBildnachweis: Historische Urkunden: Národní archiv, Prag / Monasterium.net. Fotografien von Kirche, Friedhof, Denkmal und ehemaligem Kommendegebäude: Horst Laqua, 2016, mit freundlicher Genehmigung. Historische Ortsnamen werden entsprechend der Sprache und Zeit der jeweiligen Quelle verwendet. Für die heutigen Orte werden die amtlichen polnischen Namen Grobniki, Debrzyca und Nowosady gleichberechtigt genannt. Bearbeitung und Zusammenstellung: Uwe Beffert, 2026. Mit Dank an Dörthe Schaper-Schulze für die Ergänzung einzelner Wohnadressen von Gröbniger Einwohnern aus der Zeit um das Ende des Zweiten Weltkriegs. |
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letzte Aktualisierung der Datenbank Ortsfamilienbuch Gröbnig: 30.11.2024 Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons - Namensnennung 4.0 International Lizenz
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