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Ortsfamilienbuch Haberschlacht im Zabergäu

Haberschlacht im Kieserschen Forstlagerbuch von 1684
 


Haberschlacht

Es liegt im hellen Sonnenschein im Zabergäu ein Dörflein klein;
es liegt vor dir und’s Herz dir lacht der schöne Weinort Haberschlacht.

Der verträumt und stillvergnügt sich in des Berges Falte schmiegt.
Von seinen Wald umkränzten Höhen kannst du weit in die Ferne sehen.

Zu deinen Füßen wunderschön siehst du am Hang die Reben stehn,
die Sonne und der Erde Kraft hier aus dem Weinstock Wunder schafft.

Und dieser Reben süßer Saft wird edler Wein ganz zauberhaft.
Und Haberschlachter in der Welt der Weinfreund zu den besten zählt.

Hermann Sommer

 


1. Geographische und historische Einordnung

Der Weinbauort Haberschlacht im Zabergäu, am Südrand des Heuchelbergs gelegen, gehörte in der Zeit des alten Herzogtums Württemberg zum Amt Brackenheim. Heute ist es zu Brackenheim eingemeindet und dem Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg zugehörig.

Eine erste Erwähnung des Ortes, geht auf eine Urkunde vom 8. März 1229 zurück. Darin bestätigt Papst Gregor IX. Besitzungen, die das Kloster Bebenhausen an Haberschlacht hat. Rund 150 Jahre später, am 11.Januar 1383, verschrieben sich die Einwohner von Brackenheim, Haberschlacht und weitere Nachbardörfer urkundlich dem Grafen Eberhard, sich mit ihren Leibern, Weibern und Kindern, Hab und Gut der Herrschaft Württemberg nicht zu entfremden (John/Wörner: 20).

Der zunächst bürgerlich zur Amtsstadt Brackenheim zugehörige Ort besaß keinen eigenen Pfarrer, die Gemeinde war auch kirchlich eine Filiale der Amtsstadt. Erst die durch den Grafen und späteren Herzog Eberhard zum Bart im Jahre 1472 gewährte Bitte der Einwohner, eine eigene Pfarrei einrichten zu dürfen, führte daraufhin zu deren Begründung (ebd).

Die Pfarrei Haberschlacht blickt im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Das Reformationsjahrhundert war zunächst auch im Zabergäu vom Bauernkrieg geprägt. Aufständische Bauern der Region schlossen sich zusammen und erstürmten in der Nacht zu Ostermontag 1525 Schloss Stocksberg, freilich nur um kurz darauf im Strafgericht zu Stockheim empfindlich bestraft zu werden. Im Gefolge der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich nach dessen Sieg in der Schlacht bei Lauffen (13.05.1534) über die österreichische Statthalterschaft über Württemberg (Wunder: 67ff.), war es Dorfpfarrer Appenzeller, der bereits 1534 konvertierte. Aufgrund des vom Vogt von Brackenheim beklagten kargen Einkommens der Pfarrer hielt es keinen lange im Ort, eine hohe Fluktuation war die Folge (John/Wörner: 20f.).

Im Gefolge der im Dreißigjährigen Krieg vernichtenden Niederlage der schwedischen Bundesarmee in der Schlacht bei Nördlingen (5./6. September 1634) zogen Landknechte der katholischen Liga marodierend durch Württemberger Lande (Wunder: 110f., Leibrock-Plehn: 112). Haberschlachter Familien, und auch viele weiterer umliegender Orte, flohen in das befestigte Brackenheim. „Alle Häuser, alle Scheunen und Ställe waren mit Meschen überfüllt. Weit und breit war die Umgegend entvölkert“, ebd.: 24). Die beengten Verhältnisse der überfüllten Stadt begünstigten den Ausbruch der Pest, die in den folgenden Monaten entsetzlich wütete (KB Brackenheim). Hinzu kam infolge der geschwächten Gesundheit der Menschen und der verheerten Ernährungsbasis der Hungertyphus und die Ruhr, die wiederum reichhaltig Tribut forderten (John/Wörner: 26, Leibrock-Plehn: 112)).

Immer wieder stand das im Jahr 1617 neu erbaute Pfarrhaus leer. Kriege, Epidemien und Hungersnöte des 17. Jahrhundert dezimierten die Kirchengemeinde zahlenmäßig immer wieder radikal, so dass die Pfarrei gar für zweieinhalb Dekaden (1634-1659) als Filiale von Pfarrern umliegender Gemeinden betreut wurde, zunächst von Dürrenzimmern, dann von Hausen (bis 1647-1650) und schließlich von Frauenzimmern (1650-1659) (John/Wörner: 26).


2. Datengrundlage und mthodische Vorbermerkungen

Für die Erstellung dieses Ortsfamilienbuchs (OFB) wurden bisher die ersten erhaltene Kirchenbücher ab 1659 ausgewertet. Ältere Bücher wurden angeblich von einem Kriegsknecht verbrannt (John/Wörner: 65).
Zahlreiche Taufen und Begräbnisse geflohener Haberschlachter Familien finden sich in Kirchenbüchern von Brackenheim, insbesondere im Zeitraum 1634 bis ca. 1650. Soweit möglich und sinnvoll wurden diese Personenangaben in diesem OFB berücksichtigt. Darüber hinaus wurde in Eheregistern älterer Kirchbücher der umliegenden Gemeinden nach Bräute bzw. Bräutigame, die aus Haberschlacht stammen, gesucht und ergänzt.

Bei den Taufen wurden möglichst sämtliche Paten verzeichnet und verlinkt, was dazu führt, dass im OFB auch Personen auftauchen, die nicht notwendigerweise mit Haberschlachtern (direkt) verwandt sein müssen. Ab 1740 jedoch, wurde auf die weitere Anführung von Taufpaten verzichtet. 

Im 18. und vor allem auch im 17. Jahrhundert maß man einer einheitlichen Schreibweise von Namen keine Bedeutung bei – zumal das Gros der Personen noch Analphabeten waren. Der Pfarrer schrieb nach Gehör und das nicht immer einheitlich. Übernahm ein neuer Pfarrer sein Amt, veränderten sich gelegentlich Schreibweisen. Hinzu kommen Varianten, Georg wurde oft wechselnd auch als Jerg, Han(n)ß als Johann notiert. Daher wurde im OFB gelegentlich bei relevanten Personen Alternativnamen angeführt, generell wurde versucht, Namen zu vereinheitlichen und heutige Schreibweisen zu verwenden.


3. Ortsgeschichtlich interessante Einträge aus den Registern (1659-1807)

Die Krisenjahre 1693/94 - Der französische Einfall

Zwischen den regulären Sterbeeinträgen findet sich eine der aufschlussreichsten Zwischennotizen des gesamten Registers:

Vom 15. Mai dieses Jahrs [1693], als vom Tod des H. M. Eberhard Friderich Hohenbuch, seel. gewesenen Pfarrers dieser Gemeind, ist die Pfarr ledig gestanden bis d. 16. October. Unter welcher Zeit der französische grosse Einfall und die darauf erfolgte Hungersnot gewesen, die die meiste Innwohner verjagt und aufgerieben in diesem Flecken.

Diese fünf Monate ohne Pfarrer - Mai bis Oktober 1693 - markieren den Tiefpunkt der Ortsgeschichte. Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) erreichte das Zabergäu: Französische Truppen verwüsteten die Dörfer, die Bevölkerung floh oder verhungerte. Das Wort aufgerieben deutet auf massenhafte Todesfälle hin, die mangels Pfarrer nicht dokumentiert werden konnten.

Die Toten, die wir kennen:

  • 15.05.1693: Pfarrer M. Eberhard Friderich Hohenbuch stirbt mit nur 28 Jahren - und hinterlässt eine verwaiste Gemeinde mitten im Chaos.
  • 12./19.10.1693: Jerg Weisshardt stirbt, etwa 50 Jahre alt. Nur sieben Tage später ist ihm als ihrem Mann nachgefolgt seine Hausfrau namens Justina. Das Ehepaar starb vermutlich an Hunger und Erschöpfung.

Die Ruhrepidemie des Jahres 1689

Der Spätsommer 1689 bringt eine Ruhrepidemie nach Haberschlacht. Die Einträge dokumentieren, wie die Seuche durch die Häuser wandert:

Die Familie Wetzel:

  • 28.08.1689: Anna Margreta Eckhardin (Pflegekind aus Dürrenzimmern), 12 Jahre, stirbt nach 14tägigem Sochen. Das Wort Sochen (Siechen) bezeichnet langes Dahinschwinden vor dem Tod.
  • 08.09.1689: Anna Barbara Wetzel, 6 Jahre, stirbt nach 10tägigem Lager an der Ruhr und Gichtern.
  • September 1689: Zacharias Wetzel, 8 3/4 Jahre, stirbt an eben den Gichtern und Ruhr.

Hanss Wetzel verlor innerhalb von zwei Wochen drei Kinder. Die Formulierung eodem die (am selben Tag) erscheint mehrfach - ein Zeichen für die Wucht der Epidemie.

 

Kriege im Spiegel der Taufzahlen

Der demographische Einbruch 1689-1697

Die nüchternste Statistik eräehlt die dramatischste Geschichte: 1680-1687 (Friedensjahre) gab es 8-13 Taufen pro Jahr. 1693-1695 (Kriegshöhepunkt) nur noch 1-3 Taufen. 1693 nur zwei Taufen, 1695 nur eine einzige. Die Bevölkerung war geflohen, dezimiert, zu arm für Familiengründung.

  • In der Flucht zu Brackhenheim

Ein einziger Eintrag beleuchtet die Katastrophe direkt: Im August 1689 wird Margreta, Tochter von Hanss Wetzel, getauft - aber nicht in Haberschlacht, sondern in der Flucht zu Brackhenheim. Das genaue Datum fehlt: xx.08.1689 - der Pfarrer wusste es nicht mehr oder nie. Die französischen Truppen unter Melac verheerten 1689 die Pfalz und griffen auf Württemberg über. Die Haberschlachter flohen in die befestigte Amtsstadt Brackenheim.

  • Die Regimenter marschieren durch

Das Taufregister dokumentiert die militärische Präsenz:

  • 1689: Taufe eines Kindes der Taffischen Kirasier Reutt: (Kürassiere). Die Paten sind alle vom Regiment. Ein ganzer Trupp steht Pate - das Kind wurde wohl im Feldlager geboren.
  • 1705: Ein Kind wird vom benachbarten Flecken Stockheim hieher zur H. Tauff gebracht, wo Parentes im Quartier gelegen. Der Vater war Lieutenant, die Paten ein Obristleutnant und ein Baron.
  • 1706: Der Haberschlachter Georg Christoph Bihler, zwar Burger u: Maurer allhier, dermahlen aber Musquetierer ist unter Löbl: Hernöderischen Regiment. Der Pfarrer hält fest: ein Einheimischer, eigentlich Maurer, jetzt Soldat.

 

  • Die kaiserlichen Winterquartiere 1796-1798

Während der Koalitionskriege gegen Frankreich lag das kaiserlich-königliche Anspach-Kürassier-Regiment im Winter 1796/97 in Haberschlacht. Die Folgen waren neun Monate später sichtbar: Johannes Gottsmann, Gemeinen unter dem kaiserl. Anspach-Kürassier-Regiment, welches hier in Winterquartier gelegen - Vater eines unehelichen Kindes.

Bemerkenswert der Nachtrag beim zweiten Kind: Dies Kind bekam 1803 von dem Ehemann dieser Eva Rosina den Namen Gloss. - Sieben Jahre später heiratete die Mutter einen anderen Mann, der das Soldatenkind adoptierte.

Verlassene Frauen, liederliche Männer und Unzucht

  • Die uxor deserta - verlassene Ehefrau

Der lateinische Begriff uxor deserta bezeichnet Ehefrauen, die von ihren Männern verlassen wurden - ein persönliches Unglück und sozialer Makel:

15.12.1681: Den 15. Xbris hat Anna, die ihr Mann Hanss Leonhard Weishardt schändlich mit 3 Kindern sitzen lassen, aus Mattigkeit durchs Bettelleben ihren Geist aufgegeben.

Der Pfarrer urteilt deutlich: schändlich ist keine neutrale Beschreibung. Anna musste nach der Desertion ihres Mannes betteln gehen und starb an Erschöpfung.

Moralische Urteile des Pfarrers

21.07.1692: Philipp Grimmeysen, Witwer, etwa 60 Jahre. Der Pfarrer vermerkt: Er habe einen Sohn hinterlassen, welchem Gott wolle gnädig sein, darum er ihn vor seinem Ende wegen seines liederlichen geführten Lebens zu bitten Ursach gehabt.

Die Formulierung liederlich war ein hartes moralisches Verdikt. Grimmeysen bat auf dem Sterbebett um Vergebung - der Pfarrer hielt dies für die Nachwelt fest: eine öffentliche Mahnung.

  • Wiederholungstäterinnen - Die Totengräbestochter

Margaretha Barbara Maier, Tochter des Totengäbers Hans Jörg Maier, erscheint dreimal im Taufregister mit unehelichen Kindern - ein für die Zeit aussergewöhnlicher Fall:

1. Mai 1774: Ihr erster unehelicher Sohn Johann Christoph. Der Vater: Johannes Grob von Königshoffen Hochstifft-Aichstettischer Herrschafft - ein Fremder aus dem katholischen Hochstift Eichstätt. Er bekennt sich auch darzu.

5. Februar 1777: Drei Jahre später ein zweiter Sohn Georg Michael. Der Pfarrer notiert: gibt bey ihrer iterata Scortatione zum Vater an: Jerg Michael Bachmann von Mönchingen. Die Formulierung iterata Scortatione (wiederholte Hurerei) ist ein moralisches Urteil - sie ist Wiederholungstäterin.

15. März 1782: Noch einmal fünf Jahre später bringt sie Zwillinge zur Welt - diesmal von einem Soldaten: Tobias Schüz, Corporal unter Löbl: v. Steinischem Regiment. Der Pfarrer notiert knapp: gemelli spurii (uneheliche Zwillinge).

Was erzählt diese Biographie? Eine Frau aus der untersten sozialen Schicht (Totengräber gehärten zu den unehrlichen Berufen) bekommt dreimal uneheliche Kinder von drei verschiedenen Männern, zwei davon Fremde, einer ein Soldat. Sie wird wohl kaum je geheiratet haben. Dass einer der Zwillinge 1849 starb, also 67 Jahre alt wurde, zeigt, dass auch uneheliche Kinder ihren Platz in der Dorfgemeinschaft finden konnten.

  • Cfr. Scort. Protoc. - Verweis auf die Unzuchtsakten

Mehrfach verweist der Pfarrer auf das Scort. Protoc. - das Scortations-Protokoll, die Unzuchtsakten. Diese Verweise zeigen, dass uneheliche Geburten einen bürokratischen Apparat in Gang setzten: Verhöre, Protokolle, Urteile. Wenn der Pfarrer schreibt Cfr. Scort. Protoc. dd. 12. Mart. h.a. (vergleiche Unzuchtsprotokoll vom 12. März dieses Jahres), dann gab es ein förmliches Verfahren.

Behinderte Menschen - Zwischen Fürsorge und Stigma

  • Tropf und stummer Tropf

Das Wort Tropf bezeichnete Menschen mit geistiger Behinderung. Der Zusatz stumm konnte Taubstummheit oder das Unvermögen zu verständlicher Sprache bedeuten.

Der Welsche - ein besonderer Fall

25.06.1728: Hanss Jerg Bierle, etwa 46 Jahre, war zwar simpelhaft, doch zu vielen Geschäften brauchbar. Wegen seiner unvernehmlichen Sprache nannte man ihn insgemein den Welschen.

Welsch bezeichnete ursprglich romanische Sprachen. Hier wurde es ironisch auf jemanden angewandt, dessen Sprache unverständlich war. Trotz seiner Behinderung war er zu vielen Geschäften brauchbar - ein seltener Hinweis auf Integration.

  • Grenzen der kirchlichen Toleranz

05.12.1682: Anna Catharina Wetzel, 19 Jahre, wurde gleich einem Catechismus-Kind mit Gesang und Klang, aber ohne Leichpredigt begraben, weilen sie die fundamenta fidei auch aufs einfältigste nicht begreifen, dahero auch zum Abendmahl nie zugelassen werden können.

Der Specialis (Dekan) musste die Entscheidung absegnen. Anna Catharina erhielt christliches Begräbnis mit Gesang, aber keine Leichenpredigt - sie galt als religiös unmündig.

Unglücksfälle - Fenster in den Alltag

  • Das Kind und die Gans (1689)

27.04.1689: Tobias, Leonhardt Dottingers Kind, etwa 1 Jahr und 4 Monate alt, wurde durch einen wunderlichen Unglücksfall getötet. Als das Kind allein auf der Gasse herumlief, wurde es von einer bissigen Gans angefallen und mit den Flügeln dergestalt geschlagen, dass die Schenkel und Lendenseiten ganz blau davon wurden. Innerhalb einer Viertelstunde war es gesund, frisch und endlich eine Leiche und tot gewesen. Am folgenden Tag ergab sich, dass dem Kind das Genick gebrochen war. Die Gans ist darauf von einem Soldatenjungen ertötet worden.

Der Eintrag zeigt mehrere Realitäten:

  • Kinderaufsicht: Ein 16 Monate altes Kind lief allein auf der Gasse.
  • Medizinisches Wissen: Der Pfarrer rekonstruiert die Todesursache - das Genick brach beim Sturz.
  • Soldaten im Ort: Ein Soldatenjunge tötete die Gans - Hinweis auf Einquartierung.

 

  • Verschüttet in der Lehmgrube (1774)

18.11.1774: Georg Balthasar Kaufmann, 26 Jahre, wurde morgens um 7 Uhr in der allhiesigen Lehmgrube verschüttet, aber erst um halb 10 Uhr gefunden.

Religion und Konfession

  • Haberschlacht war lutherisch. Katholiken lebten als Aussenseiter:

06.07.1710: Die Ehefrau des Hirten Adam Sachsenmayer, beide Pontificiae Religionis (katholisch), wurde ohne Kirchen-Gepräng in einem besonderen Örtlein des Kirchhofs begraben.

Ein besonderes Örtlein - also ein separater Bereich, vermutlich am Rand der geweihten Erde.

  • Calvinist und Papistin als Paten (1692) - ein überraschender Eintrag:

Hanss Adam Hanss Jacob Bisseckher Calvinist (...) Hanss Jacob Krönich; Anna Catharina Papist; beede Beysitzer allhier

Bei einer lutherischen Taufe stehen ein Calvinist (Reformierter) und eine Papistin (Katholikin) Pate. Beide sind Beisitzer - sie leben in Haberschlacht, haben aber kein volles Bürgerrecht. Die konfessionelle Durchmischung im Dorf war groöser, als die offizielle Landeskirche suggeriert.

Armut und Bettelwesen

16.09.1681: Heinrich Sauter, Burger alhier, starb zu Löchgau, als er dem Betteln nachgieng.

Sauter war Bürger von Haberschlacht - kein Fremder. Dass er auswärts betteln musste und dort starb, zeigt soziale Mobilität nach unten.

18.06.1806: Johann Friedrich Majer, ehemaliger Soldat, 51 Jahre, wurde tot auf dem Bettelkarren hieher gebracht.

Die Bettelfuhr war ein organisiertes System zum Transport mittelloser Kranker - man schob die Armen weiter zum nchsten Ort.

Pfarrer und ihre Familien

  • Pfarrer Hiller verliert seine Frau (1713)

08.07.1713: Ach finsterer Tag! starb mit mein Pastoris loci höchster Betrübnis mein über 19-jähriger Eheschatz, wurde den 11. dit. mit Thränenbächen aus meinen, der hinterlassenen 4 Kinder, ja ganzer Gemeinde Augen geflossen, in ihr Ruhkämmerlein begleitet.

Der Ausruf Ach finsterer Tag! und das Bild der Thränenbäche sind einzigartig im Register.

  • Meine unglückselige Tochter (1735)

31.04.1735: Nahm der Tod weg meine unglückselige Tochter Mariam Christinam und erlösete die selig Verstorbene und uns alle von vielen Sorg und Unruh, die sie verursachet.

Unglückselig und Sorg und Unruh deuten auf mehr als normale Trauer. Der Pfarrer sieht ihren Tod als Erlösung - auch für sich selbst.

  • Das Gedicht des Pfarrers (1739)

Zwischen den Einträgen des Jahres 1739 hat ein Pfarrer ein Gebet eingetragen:

HERR! Schreib ihre Nahmen auffs beste / Ins Buch des Lebens ein! / Und bind die Seelen feste / Ins schöene Bündelein /

Deren die im Himmel grünen / Und für dir leben frey! / Sie sollen ewig rühmen /dass Dein Hertz treue sey!

Dies ist keine amtliche Notiz - es ist persönliche Frömmigkeit, vielleicht auch eine Mahnung an sich selbst, wofür er die Kinder tauft.

  • Am Tag der Einweihung der neu erbauten Kirche

Am 18. November 1791 wird Johann Christoph Steeb geboren. Der Pfarrer notiert:

NB. Am Tag der Einweihung der neu erbauten Kirche cfr. Cop. Reg. (vergleiche Copulationsregister).

Ein Kind, geboren am Tag der Kirchweih - das wurde als gutes Omen gewertet. Die neue Kirche von 1791 steht noch heute.

Familiäre Kettenreaktionen und Taufen in Not

Die Drillinge des Metzgers Käser (1774)

  • 01.12.1774: Jacob Fridrich Käser, erster Drilling, 1 Tag alt

  • 02.12.1774: Judith, zweiter Drilling, 2 Tage alt

  • 10.12.1774: Christiana, dritter Drilling, 11 Tage alt

Alle drei starben innerhalb von zehn Tagen an Schwachheit von Geburt. Drillingsgeburten waren ohne moderne Medizin selten überlebensfähig.

Nottaufen - Wenn jede Minute zählt

Das Wort gäh (jäh, schnell) signalisiert Lebensgefahr. Diese Kinder wurden nicht vom Pfarrer in der Kirche, sondern von der Hebamme zu Hause getauft. Bei vielen steht direkt danach das Kreuz.

  • 1687: Anthonius und Anna Catarina (Beede gäh getaufft) - Zwillinge, beide nottgetauft, vermutlich zu früh geboren

  • 1792: ein Mägdlein gebohren, welches unzeitig war, doch lebte und gäh-getauft wurde, gleich aber nach der Taufe starb.

Zugewanderte, Ausgewanderte und Fremde

Die Schweizer kommen (1662-1681)

Nach dem Dreissigjährigen Krieg war Württemberg entvölkert. Der Pfarrer notiert die Herkunft der Neusiedler sorgfältig:

  • 1662: Heinrich Schweizer gebürtig aus der Schweiz
  • 1670: Hannss Müller aus der Schweiz 1670 - sogar das Einwanderungsjahr wird vermerkt
  • 1675: Johann Schaff Exulant auss der Pfaltz - Glaubensfluchtlinge, die nach der Rekatholisierung der Kurpfalz flohen

Die Auswanderungswellen

  • 1817 nach Ungarn: mehrere Familien nach der Hungerkrise 1816/17
  • 1817 nach Polen: (1817 nach Polen ausgewandert cum parent.)
  • 1827 nach Kornthal: die pietistische Neugründung
  • Nach Amerika: (nach Amerika ausgewandert)

Der weitgereiste Herr Egg (1678)

16.03.1678: Herr Georg Friedrich Egg, ein wohlqualifizierter, zu Westindien, Schweden und anderswo wohlbereister Mann, so wegen Lust zur Einsamkeit hier seine Wohnung genommen.

Ein Weltreisender zieht sich in ein kleines württembergisches Dorf zurück. Westindien (Karibik) und Schweden lassen auf einen Kaufmann, Soldaten oder Diplomaten schliessen.


4. Schlussbemerkungen

Trotz Korrekturen sind Fehler bzw. fehlerhafte oder unvollständige Angaben sowie falsche Zuordnungen wahrscheinlich. Gerne werden Fehler und Ergänzungen eingearbeitet.
Ein ganz besonderer Dank verdient Dr. Otfied Kies für seine Kirchenbuchumschriebe.

Thomas Bugge

Stand: Dezenber 2025


5. Quellen:

  • John, Alfred und Wörner, Eduard: Bilder aus der Vergangenheit Haberschlachts. In: Haberschlacht – Ein Weindorf im Zabergäu, Hrsg. Stadt Brackenheim, 2005.
  • Leibrock-Plehn, Larissa: Ein früher Fall von Berufsverbot: Johann Sigmund Kersten – Pfarrer oder Arzt. In: Haberschlacht – Ein Weindorf im Zabergäu, Hrsg. Stadt Brackenheim, 2005.
  • Haberschlacht – Ein Weindorf im Zabergäu, Hrsg. Stadt Brackenheim, 2005.
  • Maurer, Hans-Peter et al.: Geschichte Württembergs in Bildern 1083-1918, Kohlhammer Stuttgart 1992.
  • Wunder, Bernd: Kleine Geschichte der Herzogtums Württemberg, Leinfelden-Echterdingen 2009.
  • Zitierte Urkunden und Ortsansicht unter: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de
  • Kirchbuchumschriften von Dr. Otfried Kies



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Letzter Stand Ortsfamilienbuch Haberschlacht im Zabergäu: 08.01.2026
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